Erektionsstörungen beim Mann: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Gelegentlich eine schwächere Erektion, also einen weniger harten Penis – das kennst du vielleicht. Stress, Alkohol oder die Tagesform beeinflussen die Steifigkeit des Penis. Problematisch wird es, wenn die Störung anhält und deine Lebensqualität einschränkt. Was dahintersteckt und was die moderne Männermedizin dagegen tun kann, erfährst du hier.

Ab wann spricht man von einer Erektilen Dysfunktion?

Von einer Erektionsstörung spricht man erst, wenn das Problem länger als drei Monate anhält. Zur Einschätzung nutzen wir den IIEF – einen international anerkannten Fragebogen. Er liefert einen Punktescore: Bei 22 Punkten oder weniger liegt eine Erektionsstörung vor. Den Fragebogen findest du am Ende dieses Artikels. Du kannst ihn als PDF ausdrucken und zu deinem Urologen mitnehmen.

IIEF-Fragebogen schätzt deine Steifigkeit des Penis «die Erektion» ein.

Wie entsteht eine Erektion?

Eine Erektion beginnt durch körperliche Stimulation oder im Kopf. Berührung, Gedanken, Bilder, manchmal auch Gerüche aktivieren die Nerven in deinem Penis. Diese weiten die Blutgefässe und Blut strömt in die Schwellkörper. Weil weniger Blut abfliesst als zuströmt, wird der Penis steif.

Warum der Penis ein Frühwarnsystem ist: Ursache Durchblutung

Die Blutgefässe im Penis sind sehr fein. Wenn sie verkalken, funktioniert deine Erektion nicht mehr richtig. Das ist kein Zufall: Der Penis reagiert oft als erstes auf Gefässschäden im Körper. Wer früh hinschaut, kann grössere Schäden rechtzeitig erkennen – und damit auch Herzinfarkt oder Schlaganfall vorbeugen.

Kopfsache oder Körper? Psychische vs. physische Ursachen

Sinkt dein Testosteronspiegel, zum Beispiel durch Übergewicht, fehlt dem Schwellkörper das «Motoröl». Die nächtlichen Erektionen nehmen ab. Bei Durchblutungsproblemen wird der Penis nicht mehr richtig oder nur kurz steif. Und manchmal ist es rein psychisch: Erwartungsdruck und Versagensangst blockieren die Nervenimpulse – der Kopf verhindert, was der Körper könnte.

Erektionsprobleme ab 50 und 60: Kein Tabu

Unser Lebensstil lässt Blutdruck, Blutfette und das Risiko für Diabetes steigen. Zu wenig Bewegung und falsche Ernährung schädigen die Gefässgesundheit und senken den Testosteronspiegel. Davon betroffen sind vor allem die kleinen Blutgefässe im Penis. Diese Faktoren können deine Erektion empfindlich stören.

Potenz nach Prostata-OP oder Biopsie

Bei einer Prostataentfernung per Roboter können die Nerven je nach Technik geschont werden. Diese Nerven ziehen in den Penis und öffnen dort die Blutgefässe. Sie sind die Voraussetzung für deine Erektion. Nach einer  Prostataentfernung ist ihre Rehabilitation entscheidend.

Diagnose: So finden wir die Ursache

Zunächst bestimmen wir deinen Testosteronspiegel mindestens zweimal sowie deine Blutfett- und Blutzuckerwerte. Im nächsten Schritt folgt eine Ultraschalluntersuchung deiner Penisblutgefässe.

Behandlung: Von der Tablette bis zur Stosswellentherapie

Erektionsstörungen lassen sich auf vielen Wegen behandeln. Je nach Ursache steigern wir deinen Testosteronspiegel, supplementieren Aminosäuren oder trainieren den Schwellkörper täglich. Dazu kommen Medikamente wie Potenzpillen oder Cremes, bei Durchblutungsproblemen auch Stosswellentherapie. Ergänzend nutzen wir Harnröhren-Zäpfchen und Penisinjektionen.

Häufige Fragen (FAQ)

Kann ich die Durchblutung im Genitalbereich natürlich verbessern?

Ja. Kurze Sprints, Cardio-Training und eine gefässfreundliche Ernährung verbessern die Durchblutung nachweislich.

Was kann ich tun, wenn die Erektion während des Geschlechtsverkehrs nachlässt?

Hier kann ein Gummiringring Abhilfe schaffen. Weitere Tipps findest du hier:

Hilft Beckenbodentraining gegen Erektionsstörungen?

Ja, das belegen Studien eindeutig. Ein trainierter Beckenboden verbessert die Erektionsfähigkeit messbar.

Können Medikamente (z.B. gegen Bluthochdruck oder Depressionen) Erektionsprobleme verursachen?

Leider ist das der Fall: Psychopharmaka und Betablocker können die Erektion empfindlich stören. Es gibt aber Unterschiede, so kann z.B. Wellbutrin weniger einschränkend sein als Venlafaxin, Nebivolol weniger als Bisoprolol.

PD Dr. med. Marco Randazzo

Facharzt für Urologie

PD Dr. Marco Randazzo ist Facharzt für Urologie und Experte für Prostata-Erkrankungen. Er steht für moderne Medizin, klare Worte und eine ganzheitliche Sicht auf Männergesundheit. 

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