Hoden – Funktion und Aufbau
Spermien- und Testosteronproduktion
Der Hoden liegt ausserhalb des Körpers im Hodensack und enthält mikroskopisch feine Röhrchen, die sogenannten Tubuli seminiferi. In diesen Röhrchen befinden sich zwei wesentliche Zelltypen: die Sertoli-Zellen, die für die Spermienproduktion verantwortlich sind, und die Leydig-Zellen, die Testosteron herstellen.
Die Testosteronproduktion wird von der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) über das Hormon LH (Luteinisierendes Hormon) gesteuert. Sie verläuft in einem täglichen Rhythmus: Der Testosteronspiegel steigt morgens am stärksten, meist zwischen 7 und 9 Uhr. Aus diesem Grund sollte eine Blutabnahme zur Testosteronbestimmung morgens, spätestens um 11 Uhr, erfolgen.
Das produzierte Testosteron gelangt über den Samenstrang ins Blut und verteilt sich von dort im gesamten Körper.
Auch die Spermienproduktion untersteht einem Hypophysenhormon, dem FSH (Follikel-stimulierendes Hormon).
Warum liegt der Hoden ausserhalb des Körpers?
Spermien benötigen eine präzise Temperatur, die etwas unterhalb der Körperkerntemperatur liegt. Im Lauf der Evolution hat sich der Hoden deshalb nach aussen verlagert. Der Hodensack reagiert auf Temperaturschwankungen automatisch: Bei Kälte zieht er sich zusammen, bei Wärme entspannt er sich. Auch psychologischer Stress kann zu einer Anspannung der Hodensackmuskulatur führen.
Häufige Erkrankungen
Krampfadern des Hodens (Varikozele)
Eine Varikozele ist eine krampfaderartige Erweiterung der venösen Blutgefässe im Bereich des Hodens. Sie tritt häufiger auf der linken Seite auf. Typisch sind ziehende Schmerzen, die in die Leiste ausstrahlen und sich bei körperlicher Aktivität oder Hitze, etwa im Sommer, verstärken können.
Bösartige Hodentumore
Hodentumoren können sich lokal ausbreiten und über Blut- und Lymphgefässe auch in andere Körperregionen streuen. Ein bekannter Risikofaktor ist eine genetische Veranlagung. Man unterscheidet zwei Haupttypen:
- Das Seminom hat eine günstige Prognose und wird nach der Operation in der Regel engmaschig überwacht.
- Das Nicht-Seminom bildet häufiger Tochtergeschwulste in den Bauchlymphknoten und erfordert deshalb öfter eine Chemotherapie.
Beide Tumortypen haben insgesamt eine gute Prognose.
Frühzeitig erkannt wird ein Hodentumor am ehesten durch regelmässiges Abtasten. Die Ultraschalluntersuchung spielt bei der Diagnose eine wichtige Rolle; ergänzend können spezifische Blutmarker (Tumormarker) die Diagnose absichern.
Wasseransammlung am Hoden (Hydrozele)
Bei einer Hydrozele sammelt sich Flüssigkeit im Bereich des Hodens an. Sie zeigt sich als prall-elastische Schwellung und ist in der Regel harmlos. Nur bei ausgeprägten Befunden kann sie im Alltag einschränkend wirken, etwa beim Fahrradfahren oder beim Tragen enger Kleidung.
Häufige Fragen zum Hoden
Wann sollte ich bei Hodenschmerzen zum Arzt?
Wenn die Hodenschmerzen sehr stark sind oder länger als einige Stunden andauern, sollte ein Arztbesuch unbedingt erfolgen.
Wie erkenne ich einen Hodentumor selbst?
Ein Hodentumor tastet sich steinhart wie ein kleiner Kieselstein im Hodensack. Ein Ultraschall gibt hier direkt Aufschluss.
Was ist der Unterschied zwischen Seminom und Nicht-Seminom?
Das Seminom hat eine andere Ursprungszelle als das Nicht-Seminom: Es entsteht aus der Vater-Zelle der Spermien, dem Zelltyp «Spermatogonie».
Nicht-Seminome sind im Gegensatz dazu in der Regel gemischt: Es kommen hier vier verschiedene Zelltypen in Frage. Diese Gewebe entstehen früh während der Embryonalentwicklung. Die entartete Zelle bildet sich bereits während der Heranreifung des Embryos – und wird dann im Verlauf des Lebens zu einem bestimmten Zeitpunkt «aktiviert», woraufhin sie sich unkontrolliert teilt. Seminome sind in der Regel weniger aggressiv als Nicht-Seminome, wobei der Einzelfall massgebend ist.
Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Testosteronmessung?
Der Testosteronspiegel schwankt und steigt in den frühen Morgenstunden am stärksten an. Die Messung sollte idealerweise zwischen 7 und 9 Uhr, spätestens aber bis 11 Uhr erfolgen.
PD Dr. med. Marco Randazzo
PD Dr. Marco Randazzo ist Facharzt für Urologie und Experte für Prostata-Erkrankungen. Er steht für moderne Medizin, klare Worte und eine ganzheitliche Sicht auf Männergesundheit.
Männer, geht zur Vorsorge!
Vorsorge ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Verantwortung. Wer sich früh kümmert, lebt entspannter und übernimmt Verantwortung für sich selbst.
Geh zum Arzt, bevor es nötig wird.